Der schwedische Anbieter Precisely hat am 1. September 2026 die Vertragsplattform Lexnus vorgestellt. Lexnus setzt nicht beim einzelnen Vertragsdokument an, sondern bei einem vorab freigegebenen Regelwerk (Playbook), an dem Verträge gemessen werden – unabhängig davon, ob sie intern entworfen, von der Gegenseite geschickt oder von einer KI erzeugt wurden. Die Plattform wird nach Angaben des Unternehmens in der EU betrieben.
Funktionsweise
Nach dem Bericht des Fachdienstes Artificial Lawyer (englisch) laden Unternehmen zunächst ihre bestehenden Verträge und Vorlagen hoch. Lexnus leitet daraus einen ersten Entwurf des Playbooks ab, den die Rechtsabteilung prüft, anpasst und freigibt. Dieses Regelwerk dient anschließend als Prüfmaßstab für eingehende und ausgehende Verträge. Erste Ergebnisse soll es nach Unternehmensangaben innerhalb einer Stunde geben, ohne klassisches Einführungsprojekt und ohne Implementierungsgebühren.
Precisely-Technikchef Oscar Klink beschreibt den Ansatz sinngemäß so. KI könne einen Vertrag in Sekunden erzeugen, solle aber nicht darüber entscheiden, welches rechtliche Risiko ein Unternehmen zu tragen bereit ist. Auf der Produktseite erläutert der Anbieter die Aufgabenteilung genauer. Die KI liest Verträge und extrahiert Tatsachen, die Entscheidung über „bestanden“ oder „nicht bestanden“ treffen festgelegte Regeln. Zum Funktionsumfang gehören außerdem Vertragsentwürfe auf Grundlage freigegebener Formulierungen und eine Klauselbibliothek.
Modelle und Hosting
Lexnus lässt sich mit mehreren Sprachmodellen verbinden. Genannt werden Claude, OpenAI und Mistral, jeweils angebunden über das Model Context Protocol (MCP). Precisely bewirbt die Plattform als in der EU gehostet und DSGVO-konform und gibt an, sie unterliege nicht dem US CLOUD Act. Welcher Rechenzentrumsbetreiber genutzt wird, geht aus den gelesenen Quellen nicht hervor. Auch Preise nennt der Anbieter dort nicht. Precisely betreibt bereits eine Vertragsmanagement-Software und nennt auf seiner Website mehr als 500 Unternehmenskunden.
Einordnung
Lexnus richtet sich in erster Linie an Rechtsabteilungen von Unternehmen, weniger an Kanzleien. Der Ansatz greift eine Frage auf, die auch hierzulande diskutiert wird. Wie lässt sich der Einsatz generativer KI bei Verträgen so gestalten, dass die Risikoentscheidung nachvollziehbar bei Menschen bleibt? Ein vorab freigegebenes Regelwerk dokumentiert diese Entscheidung. Für deutsche Nutzer ist der europäische Betrieb ein Auswahlkriterium, das bei US-Anbietern häufig gesondert geprüft werden muss. Die Angaben zu Hosting und CLOUD Act sind allerdings Herstellerangaben, die im Einzelfall vertraglich abzusichern sind. Ob die Plattform deutsches Vertragsrecht und deutschsprachige Verträge gleichwertig unterstützt, lässt sich den Quellen nicht entnehmen. Einen Überblick über Software für die Kanzleiorganisation gibt die Seite Kanzleisoftware.
Quellen
- Precisely Confronts Uncomfortable CLM Truth With Lexnus (Artificial Lawyer, englisch), 01.09.2026
- Lexnus – Produktseite (Precisely AB, englisch), abgerufen am 04.10.2026
- Precisely – Unternehmensseite (Precisely AB, englisch), abgerufen am 04.10.2026