Das Legal-AI-Unternehmen Legora hat am 14. September 2026 angekündigt, seine Rechtsrecherche technisch neu aufzubauen. Kern der Legora-Rechtsrecherche sollen eine umfassende Datenbasis, eine vollständige „Ontologie des Rechts“ und ein KI-gestützter Citator sein, also ein Werkzeug, das die Gültigkeit und das Gewicht zitierter Fundstellen prüft.
Was angekündigt wurde
Die Ontologie soll nach Angaben des Unternehmens die Beziehungen zwischen Rechtsquellen und Rechtssätzen abbilden, außerdem die Rangordnung der Quellen und ihre zeitliche Geltung. Der Citator soll mehr als 50 dokumentierte Fehlerarten von KI bei der Rechtsrecherche abfangen, etwa übersehene Gesetzesänderungen, falsch wiedergegebene Sondervoten oder eine zu hohe Gewichtung nicht bindender Entscheidungen. Die Ontologie befindet sich derzeit in einer begrenzten Beta-Phase. Allgemein verfügbar sein soll sie im vierten Quartal 2026.
Für die Daten setzt Legora nach eigener Darstellung auf Kooperationen mit Verlagen, wo diese möglich sind. Wo nicht, beschaffe man Material direkt bei den Quellen, etwa über manuelle Anfragen oder das Einscannen gedruckter Bestände. Legoras Leiterin für Rechtsdaten, Melanie Brown, nannte gegenüber dem Fachportal Artificial Lawyer für Deutschland die Digitalisierung und die Anonymisierung als besondere Hürden. Technisch stützt sich das Vorhaben laut Artificial Lawyer auf die zugekauften Unternehmen Qura und Wexler.
Zahlen zu Deutschland
Nach Angaben von Legora nutzen in Deutschland inzwischen mehr als 13.000 Juristen die Plattform. Die Zahl der Nutzer in Rechtsabteilungen habe sich seit Jahresbeginn verachtfacht. Weltweit spricht das Unternehmen von mehr als 100.000 Nutzern in über 1.800 Kanzleien und Rechtsabteilungen in mehr als 50 Märkten.
Einordnung
Die Ankündigung betrifft einen Bereich, in dem in Deutschland die Fachverlage mit eigenen Datenbanken und KI-Angeboten etabliert sind. Legora geht dort, wo es keine Verlagskooperation gibt, den Weg über eigene Datenerschließung. Ob das für deutsches Recht in vergleichbarer Tiefe gelingt, bleibt abzuwarten – Legora selbst nennt Digitalisierung und Anonymisierung hierzulande als Hürden. Für Kanzleien gilt unabhängig vom Anbieter, dass ein Citator die eigene Prüfung der zitierten Fundstelle nicht ersetzt. Parallel sucht Legora neues Kapital. Laut einem von The Legal Wire aufgegriffenen Bloomberg-Bericht verhandelt das Unternehmen über mindestens 300 Millionen US-Dollar frisches Kapital bei einer Bewertung von rund 8,5 Milliarden US-Dollar. Mehr zum Thema auf der Seite KI für Anwälte.
Quellen
- Legora rebuilds legal research with comprehensive data, a full ontology of law, and an AI-native citator (Legora), 14.09.2026
- Legora To Launch Ontology + AI Native Citator (Artificial Lawyer), 14.09.2026
- Legora eyes $8.5B valuation in fresh $300M funding talks (The Legal Wire), 23.09.2026