Der Legal Tech Monitor 2026 des Legal Tech Verbands Deutschland zeigt, dass Rechtsabteilungen mehr juristische Arbeit selbst erledigen und von externen Kanzleien zunehmend einen nachweisbaren KI-Einsatz erwarten. Die Ergebnisse wurden am 17. September 2026 auf dem Legal Tech Day des Verbands vorgestellt.
Präsentiert hat die Studie Lauritz Gerlach, Associate der Kanzlei Chatham Partners in Hamburg. Grundlage sind nach dem Bericht von beck-aktuell Befragungen von knapp 360 Personen, rund 30 Interviews sowie weitere Untersuchungen. Zu den Sponsoren der Studie gehört der Verlag C.H.Beck. Der Legal Tech Monitor erscheint seit 2025 und soll den deutschen Legal-Tech-Markt nach Angaben des Verbands in regelmäßigen Abständen vermessen.
Mandanten fragen nach KI
57 Prozent der befragten Unternehmensjuristinnen und -juristen gaben an, Aufgaben, die sie vor zwei bis drei Jahren noch an Kanzleien vergeben hätten, zunehmend selbst zu erledigen. 73 Prozent würden ihre Mandate bei Kanzleien bündeln, die durch KI nachweislich Kosten sparen. Fast 40 Prozent fordern bei der Auswahl externer Berater schon jetzt Nachweise oder Auskünfte zum Einsatz von Legal Tech oder KI.
Auch die Abrechnung verändert sich. So haben 39 Prozent der Kanzleien nach Angaben der Befragten ihr Abrechnungsmodell wegen KI angepasst. Vier von fünf dieser Kanzleien setzen demnach auf wertbasierte Modelle wie Festpreise.
Allzweck-KI vor juristischen Spezialwerkzeugen
Bei der Frage nach bekannten Legal-Tech-Anwendungen nannten die Befragten am häufigsten Legora (35 Prozent), Beck-Noxtua (34 Prozent), Harvey (29 Prozent) und Libra (27 Prozent), gefolgt von Claude for Legal (14 Prozent). Flightright kam nur noch auf 4 Prozent. Verbreiteter als juristische KI sind allgemeine KI-Dienste. So haben 73 Prozent der Antwortenden Verträge über Microsoft Copilot, ChatGPT Business oder Claude Team abgeschlossen, 61 Prozent eine Lizenz für ein spezifisch juristisches Werkzeug. Abgerechnet wird überwiegend pro Lizenz. Nutzungsbasierte Preismodelle spielen laut Studie kaum eine Rolle. Einen fehlenden Marktüberblick beklagen nur noch 14 Prozent, 2024 waren es 32 Prozent.
Beim Personal zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Gewinnung juristischer Fachkräfte empfanden vor zwei Jahren 59 Prozent als schwierig, 2026 noch 37 Prozent. Die Sorge vor einem Arbeitsplatzabbau durch KI stieg dagegen von 29 auf 49 Prozent.
Einordnung
Der Legal Tech Monitor ist eine Erhebung eines Branchenverbands, der nach eigener Darstellung Zahlen liefern will, um etwa Investoren aufmerksam zu machen. Die Zahlen sind daher als Stimmungsbild der Befragten zu lesen, nicht als repräsentative Marktstatistik. Für Kanzleien mit Unternehmensmandanten ist vor allem der Befund relevant, dass Rechtsabteilungen den KI-Einsatz ihrer Berater abfragen und mit Kostenerwartungen verbinden. Wer KI-Werkzeuge einsetzt, muss dabei weiterhin die Verschwiegenheitspflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO und die Vorgaben des § 43e BRAO zur Einbindung externer Dienstleister beachten. Ob sich die Verschiebung zu Festpreisen und Inhouse-Arbeit fortsetzt, werden erst die kommenden Ausgaben der Studie zeigen. Einen Überblick über Einsatzfelder bietet die Seite KI für Anwälte.
Quellen
- Rechtsabteilungen nutzen KI – und erwarten das auch von Kanzleien (beck-aktuell), 17.09.2026
- Legal Tech Monitor (Legal Tech Verband Deutschland), abgerufen am 04.10.2026