Harvey

Kurz gefasst

Harvey AI ist eine KI-Plattform für Kanzleien und Rechtsabteilungen aus San Francisco. Sie bietet Recherche, Dokumentenanalyse, Entwürfe und automatisierte Arbeitsabläufe. In Deutschland arbeiten nach öffentlichen Angaben unter anderem Gleiss Lutz und Heuking mit Harvey. 2025 hat das Unternehmen sein Team in Deutschland ausgebaut und Inhalte von Wolters Kluwer Deutschland lizenziert.

Unternehmen

Harvey wurde 2022 von Winston Weinberg, zuvor Anwalt bei O’Melveny & Myers, und Gabriel Pereyra gegründet. Sitz ist San Francisco. Zu den Investoren zählen nach einer Pressemitteilung von Wolters Kluwer unter anderem Sequoia, Kleiner Perkins, GV, der OpenAI Startup Fund und Coatue. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 3.000 Organisationen in über 70 Ländern die Plattform.

Funktionen nach Herstellerangaben

  • Agents – KI-Agenten, die mehrstufige juristische Aufgaben ausführen
  • Vault – sichere Ablage, Ordnung und Massenanalyse von Dokumenten
  • Knowledge – Recherche zu rechtlichen, regulatorischen und steuerlichen Fragen
  • Spaces – gemeinsame Arbeitsbereiche, auch über Organisationsgrenzen hinweg
  • Contract Intelligence – Analyse von Verträgen und Vertragsbeständen, Unterstützung bei Verhandlungen

Harvey in Deutschland

  • März 2024. Gleiss Lutz geht nach einem Pilotprojekt mit mehr als 125 Anwältinnen und Anwälten als nach eigener Aussage erste unabhängige deutsche Kanzlei eine strategische Partnerschaft mit Harvey ein.
  • Juli 2024. Heuking startet Harvey als Pilotprojekt. Nach einem Bericht von legal-tech.de vom August 2026 wuchs das Projekt von etwa 50 Nutzern auf über 1.000 Lizenzen kanzleiweit.
  • Juli 2025. Harvey kündigt an, sein Vertriebs- und Supportteam in Deutschland auszubauen, und nennt Gleiss Lutz sowie die Rechtsabteilung der Deutschen Telekom als Kunden.
  • August 2025. Wolters Kluwer Legal & Regulatory schließt Lizenzvereinbarungen mit Harvey für Inhalte aus den USA und Deutschland. Welche deutschen Werke umfasst sind, nennt die Pressemitteilung nicht.
  • Mai 2026. Harvey veröffentlicht den Legal Agent Benchmark (LAB) als Open Source, mit mehr als 1.200 Aufgaben aus 24 Rechtsgebieten. Eine Aufgabe gilt nur als gelöst, wenn alle Bewertungskriterien erfüllt sind. Die unabhängige Umsetzung von Artificial Analysis (Harvey LAB-AA) zeigt, dass selbst die besten Modelle nur einen kleinen Teil der Aufgaben vollständig lösen, siehe den Beitrag zum Legal Research Bench.
  • September 2026. Die Bucerius Law School, die Universität Leipzig, die Leibniz Universität Hannover und die EBS Universität kooperieren mit Harvey. Studierende, Lehrende und Verwaltung erhalten nach dem Bericht von beck-aktuell ab dem Wintersemester 2026 kostenlosen Zugang.

Hosting und Datenschutz laut Hersteller

  • Daten können nach Herstellerangaben in einer Region gehalten werden – EU oder Schweiz, USA oder Australien.
  • Harvey sagt im Platform Agreement zu, Eingaben, Ausgaben und hochgeladene Dokumente nicht zum Training der zugrunde liegenden Modelle zu nutzen.
  • Kunden legen nach Herstellerangaben selbst fest, welche Daten hochgeladen werden, bestimmen Aufbewahrungsfristen und können Daten jederzeit löschen.
  • Der Hersteller nennt unter anderem SOC 2 Type II, ISO 27001, ISO 27701 und ISO 42001 sowie Funktionen wie Single Sign-on, Audit-Logs und Ethical Walls.

Wie eine deutsche Kanzlei die Nutzung vertraglich absichert, zeigt der Bericht über Heuking. Dort dürfen danach nur freigegebene Werkzeuge eingesetzt werden, bei denen vertraglich ausgeschlossen ist, dass Mandatsdaten zur Modellverbesserung verwendet werden. Hinzu kommen ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach DSGVO und ausdrückliche Verschwiegenheitsverpflichtungen. Die allgemeinen Prüfpunkte beschreiben die Seiten Verschwiegenheit und KI und KI und Datenschutz.

Einordnung im deutschen Markt

Anders als die Angebote der Fachverlage stammt Harvey nicht aus dem deutschen Datenbankgeschäft. Deutsche Fachinhalte kommen über Lizenzen hinzu, bislang öffentlich bekannt über die Vereinbarung mit Wolters Kluwer vom August 2025. Derselbe Konzern hat im November 2025 die Übernahme des Berliner Anbieters Libra bekannt gegeben. Wer Harvey für die Arbeit im deutschen Recht prüft, sollte deshalb konkret erfragen, welche Gesetze, Entscheidungen und Kommentare im eigenen Vertrag tatsächlich verfügbar sind, und die Antworten an eigenen Testfragen aus dem eigenen Rechtsgebiet messen.

Zielgruppe und Preise

Harvey richtet sich vor allem an große Kanzleien und Rechtsabteilungen. Nach eigenen Angaben setzen mehr als 80 der 100 umsatzstärksten US-Kanzleien die Plattform ein. Preise sind in den ausgewerteten Herstellerquellen nicht veröffentlicht. Vergleichbare Plattformen sind Legora und Libra. Einen Überblick gibt die Seite Juristische KI-Werkzeuge im Überblick.

Häufige Fragen

Ja. Harvey hat ein eigenes Vertriebs- und Supportteam in Deutschland, das es 2025 ausgebaut hat. Öffentlich bekannte Nutzer sind unter anderem Gleiss Lutz, Heuking und die Rechtsabteilung der Deutschen Telekom.

Nach Herstellerangaben können Kunden die Datenhaltung auf eine Region festlegen, darunter EU oder Schweiz. Einzelheiten zu Rechenzentren und Unterauftragnehmern ergeben sich aus den Vertragsunterlagen.

Harvey veröffentlicht in den ausgewerteten Quellen keine Preise. Für Studierende und Lehrende der vier Partnerhochschulen ist der Zugang ab dem Wintersemester 2026 kostenlos.

Nein. Harvey und vergleichbare Plattformen beschleunigen Recherche, Analyse und Entwurf. Die rechtliche Bewertung, die Verantwortung gegenüber Mandanten und das Auftreten vor Gericht bleiben Sache der Anwältin oder des Anwalts.

Stand Oktober 2026