Lange PDFs mit KI zusammenfassen

Kurz gefasst

Ein PDF mit KI zusammenfassen zu lassen, spart bei langen Akten viel Zeit. Ob das Ergebnis taugt, hängt von drei Dingen ab – einer guten Textebene, der Länge im Verhältnis zum Kontextfenster des Modells und einer Arbeitsweise, die jede Aussage an eine Fundstelle bindet.

Wie es funktioniert

Ob ein KI-Werkzeug den Text des PDF, das Seitenbild oder beides auswertet, ist von Werkzeug zu Werkzeug verschieden. Soweit der Text ausgewertet wird, ist bei gescannten Akten die Textebene aus der Texterkennung maßgeblich. Fehlt sie oder ist sie schlecht, arbeitet die KI mit lückenhaftem oder falschem Text.

Wie viel ein Modell auf einmal verarbeiten kann, bestimmt das Kontextfenster. Anthropic definiert es als den gesamten Text, auf den ein Modell beim Erzeugen einer Antwort zugreifen kann, einschließlich der Antwort selbst. Nach Anthropic haben mehrere aktuelle Claude-Modelle ein Kontextfenster von einer Million Token, andere 200.000 Token. 200.000 Token entsprechen nach Anthropic etwa 500 Seiten. Andere Anbieter nennen eigene Werte. Lokale Werkzeuge sind oft deutlich knapper eingestellt. Ollama arbeitet nach seiner FAQ standardmäßig mit 4.096 Token.

Fehlerquellen

Mehr Text heißt nicht bessere Antwort

Anthropic beschreibt, dass mit wachsender Tokenzahl Genauigkeit und Erinnerungsleistung abnehmen („context rot“). Eine Studie von Liu und anderen („Lost in the Middle“) fand, dass Sprachmodelle Informationen am Anfang oder Ende eines langen Textes am besten nutzen und die Leistung deutlich sinkt, wenn die entscheidende Stelle in der Mitte liegt. Für Akten bedeutet das, dass ein wichtiges Detail auf Seite 400 von 800 leichter übersehen wird.

Was nicht im Text steht, fehlt

Tabellen, Stempel, handschriftliche Vermerke und Fotos gehen bei der Texterkennung oft verloren oder werden verfälscht. Die Zusammenfassung kann nur wiedergeben, was im Text angekommen ist.

Glatte Lücken

Eine Zusammenfassung lässt naturgemäß weg. Problematisch wird das, wenn die KI ausgerechnet entlastende Details, Widersprüche oder Einschränkungen glättet. Eine Zusammenfassung ersetzt deshalb nicht die eigene Lektüre der entscheidenden Aktenteile.

Halluzinationen

Auch beim Zusammenfassen eines vorgegebenen Textes können Modelle Aussagen hinzufügen, die nicht im Dokument stehen. Mehr dazu unter KI-Halluzinationen.

Fundstellen sichern

Eine Zusammenfassung ohne Fundstellen ist für die Arbeit an der Akte kaum zu gebrauchen. Anthropic empfiehlt für lange Dokumente Folgendes.

  • das Dokument an den Anfang des Prompts zu stellen und die Frage ans Ende,
  • bei Dokumenten über 20.000 Token zuerst wörtliche Zitate herausziehen zu lassen und die Aufgabe darauf zu stützen,
  • für jede Aussage ein Zitat zu verlangen und Aussagen ohne Beleg zurückzunehmen.

Einige Schnittstellen bieten eine strukturierte Zitatfunktion. Bei Anthropic gibt die Citations-Funktion für PDF-Dokumente die belegenden Passagen mit Seitenbereichen zurück. Dabei ist zu beachten, dass die Seite der PDF-Datei gemeint ist, nicht die Blattzahl der Akte.

Achtung. PDF-Seitenzahlen und Aktenblattzahlen weichen in der Praxis fast immer voneinander ab. Wer Fundstellen für Schriftsätze braucht, muss die Blattzahl ermitteln – etwa indem die KI angewiesen wird, die auf der Seite aufgestempelte Blattzahl mitzuzitieren, und diese Angabe anschließend geprüft wird.

Arbeitsweise für lange Akten

  1. Textebene prüfen, bevor irgendetwas zusammengefasst wird.
  2. Aufteilen. Band für Band oder Dokument für Dokument zusammenfassen statt der gesamten Akte auf einmal.
  3. Zweck vorgeben. Eine Zusammenfassung für die Haftprüfung sieht anders aus als eine für die Zeugenvernehmung.
  4. Format festlegen. Tabelle mit Datum, Inhalt und Fundstelle statt Fließtext.
  5. Belegpflicht. Für jede Aussage ein wörtliches Zitat mit Fundstelle.
  6. Stichproben. Einzelne Aussagen gegen die Akte prüfen, besonders Zahlen, Daten und Zitate.
  7. Grenzen dokumentieren. Festhalten, welche Teile nicht maschinell erfasst wurden (Fotos, Handschrift, Tabellen).

Formulierungshilfen für solche Aufträge stehen unter Prompting für Juristen. Wer sehr große Bestände durchsuchen will, findet unter RAG einen anderen Ansatz. Für Mandatsakten gelten außerdem die Anforderungen aus KI und Datenschutz.

Häufige Fragen

Sie kann einen brauchbaren Überblick liefern, aber nicht zuverlässig im Sinne einer vollständigen und fehlerfreien Wiedergabe. Mit wachsender Länge sinkt die Genauigkeit, und Details in der Mitte langer Texte werden leichter übersehen. Fundstellen und Stichproben sind deshalb unverzichtbar.

Das hängt vom Kontextfenster des Modells ab. Nach Anthropic entsprechen 200.000 Token etwa 500 Seiten. Einige Claude-Modelle verarbeiten bis zu einer Million Token. Lokale Werkzeuge sind oft deutlich kleiner eingestellt.

Häufige Ursachen sind eine fehlende oder fehlerhafte Textebene, Inhalte in Tabellen, Bildern oder Handschrift und die nachlassende Leistung von Sprachmodellen bei sehr langen Texten.

Indem man für jede Aussage ein wörtliches Zitat mit Seitenangabe verlangt und Aussagen ohne Beleg streichen lässt. Einige Schnittstellen bieten dafür eine eigene Zitatfunktion. Die Seitenzahl der PDF-Datei ist dabei nicht die Blattzahl der Akte.

Stand Oktober 2026