Kurz gefasst
Prompts sind die Arbeitsanweisungen an die KI. Für juristische Aufgaben haben sich vier Bausteine bewährt – eine Rolle, die mitgegebene Quelle, ein klares Ausgabeformat und ein ausdrücklicher Prüfauftrag. Wer diese Bausteine verwendet, erhält überprüfbarere Ergebnisse – fehlerfrei werden sie dadurch nicht.
Die folgenden Muster stützen sich auf die Prompting-Dokumentation von Anthropic. Ob sie bei anderen Sprachmodellen gleich gut wirken, ist im Einzelfall zu testen. Alle Beispiele sind allgemein gehalten. Mandatsdaten gehören nicht in einen Prompt, solange der Einsatz des Werkzeugs nicht datenschutz- und berufsrechtlich geklärt ist.
Grundregel – klar und vollständig
Anthropic empfiehlt, sich das Modell als „brilliant but new employee“ vorzustellen, dem der Kontext fehlt. Als Faustregel gilt die Frage, ob eine Kollegin ohne Vorwissen den Prompt verstehen würde. Wenn nicht, versteht ihn das Modell auch nicht. Hilfreich ist außerdem, den Zweck zu erklären – nicht nur, was getan werden soll, sondern wozu.
Die vier Bausteine
1. Rolle
Eine Rollenangabe lenkt Ton und Fachsprache. Anthropic empfiehlt, die Rolle im Systemprompt festzulegen, wo die Oberfläche das erlaubt.
Beispiel – „Du unterstützt eine Strafverteidigerin bei der Vorbereitung einer Hauptverhandlung. Du schreibst sachlich, in deutscher Rechtssprache und ohne Wertungen.“
2. Quelle
Das Modell soll mit dem arbeiten, was man ihm gibt – nicht mit dem, was es zu wissen glaubt. Anthropic empfiehlt bei langen Dokumenten, diese an den Anfang des Prompts zu stellen und die Frage ans Ende. Das könne die Antwortqualität deutlich verbessern. Dokumente lassen sich mit Kennzeichnungen wie <dokument> abgrenzen, damit Anweisung und Material nicht verschwimmen.
Beispiel – „Verwende ausschließlich den Text zwischen den Markierungen. Nutze kein allgemeines Wissen. Wenn der Text eine Frage nicht beantwortet, schreibe ‚Im Text nicht enthalten.‘“
3. Format
Ein festgelegtes Format macht Ergebnisse vergleichbar und prüfbar. Anthropic rät, zu sagen, was das Modell tun soll, statt aufzuzählen, was es unterlassen soll. Beispiele wirken stark. Anthropic empfiehlt drei bis fünf passende, unterschiedliche Beispiele.
Beispiel – „Gib das Ergebnis als Tabelle mit den Spalten Datum, Ereignis, Fundstelle (Seite) aus. Eine Zeile je Ereignis, chronologisch sortiert.“
4. Prüfauftrag
Der wichtigste Baustein für juristische Arbeit. Anthropic nennt unter anderem drei Techniken gegen Halluzinationen – dem Modell erlauben, Nichtwissen einzuräumen, bei langen Dokumenten zuerst wörtliche Zitate herausziehen lassen und jede Aussage mit einem Zitat belegen lassen, wobei Aussagen ohne Beleg zurückzunehmen sind.
Beispiel – „Belege jede Aussage mit einem wörtlichen Zitat und der Seitenzahl. Prüfe am Ende jede Aussage erneut gegen den Text. Streiche Aussagen, für die du kein Zitat findest, und liste sie gesondert auf.“
Muster für typische Aufgaben
| Aufgabe | Kern des Prompts |
|---|---|
| Zusammenfassung | Zweck nennen (für wen, wozu), Länge festlegen, Fundstellen je Absatz verlangen |
| Chronologie | Tabellenformat vorgeben, nur datierte Ereignisse, Fundstelle je Zeile, unklare Daten kennzeichnen |
| Widersprüche finden | Zwei Texte abgrenzen, nur wörtlich belegte Abweichungen, Zitat aus beiden Texten |
| Entwurf | Rolle, Adressat, Ton, Länge, Gliederung vorgeben, Platzhalter statt erfundener Tatsachen verlangen |
| Gegenprobe | Eigenen Text mitgeben und gezielt nach Schwächen, Lücken und Gegenargumenten fragen |
Was ein Prompt nicht leisten kann
- Ein guter Prompt verringert Fehler, ersetzt aber nicht die Prüfung. Anthropic betont, dass die genannten Techniken Halluzinationen deutlich verringern, aber nicht vollständig beseitigen.
- Eine Anweisung wie „erfinde keine Urteile“ verhindert keine erfundenen Urteile. Wirksamer ist es, Rechtsprechung gar nicht aus dem Modellwissen abzufragen, sondern Entscheidungen selbst beizufügen.
- Prompts sind keine Datenschutzmaßnahme. Was eingegeben wird, ist beim Anbieter – unabhängig davon, wie geschickt gefragt wird.
Aus der Praxis
Bewährt hat sich eine kleine Sammlung eigener, getesteter Prompts für wiederkehrende Aufgaben, mit Datum und Modell, für das sie geprüft wurden. Ändert sich das Modell, wird die Sammlung an einem bekannten Beispieldokument neu getestet. Das ist mühsamer als ein schneller Chat, liefert aber reproduzierbare Ergebnisse.
Häufige Fragen
Die Eingabe, mit der man einem Sprachmodell eine Aufgabe stellt. Dazu gehören die Anweisung selbst, mitgegebenes Material, Vorgaben zum Format und gegebenenfalls Beispiele.
Mit vier Bausteinen, nämlich Rolle, Quelle, Format und Prüfauftrag. Das Modell soll nur mit dem mitgegebenen Material arbeiten, ein festes Ausgabeformat verwenden und jede Aussage mit einem wörtlichen Zitat und einer Fundstelle belegen.
Es gibt viele Sammlungen. Sinnvoller als fremde Vorlagen sind eigene Prompts, die an typischen Aufgaben der Kanzlei getestet und bei einem Modellwechsel erneut geprüft werden.
Nein. Techniken wie Quellenbindung und Belegpflicht verringern Halluzinationen deutlich, beseitigen sie aber nach Angaben von Anthropic nicht vollständig. Die Prüfung jeder Fundstelle bleibt erforderlich.
Quellen
- Anthropic, Prompting best practices (Claude-Dokumentation), abgerufen am 04.10.2026
- Anthropic, Reduce hallucinations (Claude-Dokumentation), abgerufen am 04.10.2026
Stand Oktober 2026