legaltech.top berichtet über KI in der Rechtspraxis – und nutzt KI selbst, um Nachrichten aus dem In- und Ausland zu sichten und vorzubereiten. Dieser Beitrag legt offen, wie diese KI-gestützte Redaktion arbeitet – welche Schritte eine Automatik übernimmt, wo sie bewusst Grenzen hat und warum jeder Beitrag redaktionell geprüft wird.
Warum eine Automatik?
Was im Legal-Tech-Markt, in der Justiz und bei der Regulierung von KI passiert, verteilt sich auf Dutzende Quellen – Fachmedien, Ministerien, Kammern und Verbände, Gerichte, Hersteller – und vieles davon zuerst auf Englisch, Französisch, Niederländisch oder Spanisch. Diese Quellen täglich von Hand durchzusehen, ist für eine kleine Redaktion nicht zu leisten. Genau für solche Aufgaben – sichten, sortieren, zusammenfassen, übersetzen – sind Sprachmodelle gut geeignet. Für die Frage, ob eine Meldung stimmt und ob sie für Juristen in Deutschland relevant ist, braucht es dagegen Kontrolle.
Der Ablauf in fünf Schritten
1. Einsammeln
Alle zwei Stunden liest ein Workflow auf der Automatisierungsplattform n8n die RSS-Feeds der hinterlegten Quellen. Ein Filter lässt nur Meldungen durch, die einen Bezug zu Technik und zu Recht oder Justiz haben – in Deutsch, Englisch und mehreren weiteren europäischen Sprachen. Personalmeldungen, Webinar-Werbung und gesponserte Beiträge fallen heraus, ebenso Meldungen, die älter als vier Tage sind. Jede Meldung wird anhand ihrer Adresse und ihres Titels auf Dubletten geprüft, damit dieselbe Nachricht aus mehreren Feeds nur einmal gespeichert wird.
2. Auswählen
Dreimal täglich wählt ein Sprachmodell aus den neuen Meldungen ein Ereignis aus, das für Anwältinnen, Anwälte, Unternehmensjuristen und die Justiz in Deutschland relevant ist, und ordnet es einer Rubrik zu. Berücksichtigt werden dabei die zuletzt veröffentlichten Beiträge, damit sich Themen nicht wiederholen, und eine Obergrenze für Auslandsmeldungen pro Tag.
3. Faktenblatt
Bevor ein Text entsteht, ruft die Automatik die Originalartikel ab. Ein Sprachmodell erstellt daraus ein Faktenblatt. Jede Angabe – Datum, Name, Zahl, Norm – wird einer konkreten Quelle zugeordnet. Reicht der abrufbare Quelltext nicht aus, wird die Meldung verworfen.
4. Schreiben
Ein zweites Modell schreibt auf Grundlage des Faktenblatts den Beitrag, bei fremdsprachigen Quellen auf Deutsch. Jeder Beitrag nennt am Ende seine Quellen mit Link und Datum, sodass Leser das Original selbst nachlesen können.
5. Faktenprüfung
Der fertige Text wird von einem Modell eines anderen Anbieters gegen die Quelltexte geprüft. Derzeit schreibt ein Modell von Anthropic, geprüft wird mit einem Modell von OpenAI. Der Gedanke dahinter ist, dass ein Modell, das seinen eigenen Text kontrolliert, leicht dieselben Fehler übersieht, die es gemacht hat. Findet die Prüfung Fehler, wird der Text korrigiert und erneut geprüft, höchstens zweimal. Besteht er auch dann nicht, wird er nicht veröffentlicht, sondern mit einem Prüfhinweis zur manuellen Bearbeitung zurückgestellt.
Die redaktionelle Prüfung
Die Automatik bereitet vor – sie entscheidet nicht. Jeder Beitrag auf legaltech.top wird von Rechtsanwalt Thomas Koll gelesen. Was diese Prüfung nicht besteht, wird korrigiert oder gelöscht. Die automatisch vorbereiteten Meldungen tragen am Ende einen Hinweis, dass sie mit Unterstützung eines KI-Systems auf Grundlage der genannten Quellen erstellt wurden.
Was die Automatik nicht tut
- Sie verarbeitet ausschließlich öffentlich zugängliche Meldungen. Mandatsdaten oder andere vertrauliche Informationen gelangen nicht in den Ablauf.
- Sie erfindet keine Quellen. Grundlage ist allein, was im abgerufenen Originalartikel steht.
- Sie ersetzt keine rechtliche Bewertung. Die Rubrik „Einordnung“ ordnet Meldungen ein, Rechtsberatung im Einzelfall ist sie nicht.
Was wir daraus lernen
Für Kanzleien, die selbst über KI-gestützte Abläufe nachdenken, zeigt das Projekt einige Grundsätze, die sich übertragen lassen. Ein Sprachmodell sollte an überprüfbare Quellen gebunden werden, statt aus seinem eigenen Wissen zu schreiben. Prüfen sollte ein anderes System als das, das den Text erzeugt hat. Und am Ende steht eine Person, die die Verantwortung übernimmt. Mehr zu den Grundlagen bieten die Übersichten KI für Anwälte und KI-Verordnung. Die Grundsätze der Redaktion stehen auf der Seite Redaktion und KI.